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Inhalt

Ein Taxi fährt durch die lebhaften Straßen Teherans. Die wechselnden Fahrgäste erzählen freimütig, was sie umtreibt: Ein Raubkopierer vertickt die neueste Staffel von „The Walking Dead“ und Filme von Woody Allen, zwei alte Frauen wollen Goldfische in einer offenen Glaskugel transportieren und ein vorlautes kleines Mädchen erklärt seinen Anspruch auf Frappuccino.

Die Doppel-DVD und Blu-ray enthalten als Bonus Jafar Panahis Vorgängerfilm „Dies ist kein Film“ (2011, 75 Min.). Die Dokumentation ist erstmals in Deutschland zu sehen und erzählt von Panahis Hausarrest und dem emotional aufwühlenden Warten auf einen Urteilsspruch, der ihm jeden Augenblick die Freiheit rauben kann. Wie „Taxi Teheran“ schmuggelte der Regisseur den Film außer Landes und wurde auf dem Filmfestival in Cannes für seinen Mut und seine künstlerische Leistung bejubelt.

Über den Regisseur
ÜBER JAFAR PANAHI
KOMMENTAR
FILMOGRAFIE

Jafar Panahi gilt als einer der wichtigsten unabhängigen Filmemacher des Irans und wurde bereits mit hochrangigen Preisen wie dem Goldenen Löwen der Filmfestspiele von Venedig, der Goldenen Kamera des Festivals von Cannes und dem Silbernen sowie dem Goldenen Bären der Berlinale ausgezeichnet.

Aufgrund seiner kritischen Haltung gegenüber den politischen und gesellschaftlichen Umständen in seiner Heimat Iran sind die meisten seiner Filme dort verboten. Bei den umstrittenen iranischen Präsidentschaftswahlen 2009 unterstützte Panahi die Oppositionsbewegung „Grüne Bewegung“ von Mir Hossein Mussawi gegen den Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad. Am 1. März 2010 wurde Panahi wie auch seine Frau und Tochter in seinem Haus von der iranischen Polizei festgenommen. Er wurde zunächst ohne Anklage ins Evin-Gefängnis gebracht, wo er knapp drei Monate lang inhaftiert blieb. Er trat in den Hungerstreik, unter anderem weil er keinen eigenen Anwalt bekam. Am 25. Mai 2010 kam er gegen die Zahlung einer Kaution von 200.000 US-Dollar stark abgemagert bis zum Beginn des Strafprozesses frei. Panahi wurde im Dezember 2010 schließlich wegen „Propaganda gegen das System“ zu sechs Jahren Haft verurteilt und erhielt außerdem ein 20-jähriges Berufs-, Ausreise- und Interviewverbot.

Dies hindert Panahi jedoch nicht daran, weiterhin Filme zu drehen, in denen er die Situation der Islamischen Republik anklagt, und diese in die Welt hinauszuschicken. Nach DIES IST KEIN FILM (In Film Nist, 2011) und CLOSED CURTAIN (PARDÉ, 2013) ist TAXI TEHERAN (TAXI, 2015) der dritte Film, den Panahi heimlich produzierte und zur Präsentation auf internationalen Festivals außer Landes schmuggeln ließ.

In TAXI TEHERAN spielt Panahi einen Taxifahrer, der verschiedene Fahrgäste – von seiner eigenen Nichte über eine Menschenrechtsaktivistin bis hin zu einem illegalen Videohändler – durch die Straßen Teherans fährt. Durch die vielen unterschiedlichen Gäste und den semi-dokumentarischen Charakter des Films entsteht ein eindrucksvoll reflektiertes Porträt einer Gesellschaft, welches einerseits eine starke Anklage an das iranische System darstellt, andererseits aber vollkommen ohne Verbitterung und Zynismus auskommt. Panahi ließ den Film nach Berlin schmuggeln, wo er bei 65. Berlinale den Goldenen Bären für den besten Film gewann.